Großbrand im Roma- Viertel: “Die Bewohner haben Angst”

Zwei Großbrände innerhalb von fünf Wochen im so genannten „Roma-Viertel“ in Plauen hält die Spitzenstadt in Atem. Mit dem Tod von zwei Menschen am Montag wurde ein trauriger Höhepunkt erreicht.

Von Cornelia Henze

Foto: Sebastian Höfer

Plauen – „Die Ermittlungen zur Brandursache werden derzeit in alle Richtungen geführt“, sagt Polizeisprecher Oliver Wurdak. Dabei werde man auch prüfen, ob es einen Zusammenhang zum Brand in der Trockentalstraße am 29. Dezember vorigen Jahres gibt.

Wurdak: „Dazu gibt es derzeit jedoch keine Anhaltspunkte“. Während gestern in der Dürerstraße das Feuer im Dachgeschoss ausbrach, lag in der Trockentalstraße der Brandherd im Keller des Hauses. 19 Menschen wurden kurz vor Silvester dort verletzt, davon vier schwer.

Getroffen hatte es in der Trockentalstraße vor allem Angehörige der Ethnie Sinti und Roma: Gravierende Brandverletzungen trugen zwei Frauen und zwei Kleinkinder davon. Nun kam alles noch schlimmer: Zwei Tote – wahrscheinlich Deutsche – sind zu beklagen. Auch der eine schwer- und die drei leichtverletzten Menschen sind deutscher Nationalität. Polizeisprecher Oliver Wurdak kündigt frühestens für Dienstag erste Ergebnisse an.

Auch im Brandfall Trockentalstraße gab es Rückschläge bei den Ermittlungen. Ein einen Tag nach dem Brand verhafteter 35-jährige Mieter musste am 19. Januar wieder auf freien Fuß gesetzt werden. „Es bestand kein dringender Tatverdacht mehr“, begründet Jürgen Pfeiffer, Sprecher der Staatsanwaltschaft Zwickau.

Gegen den Mann (ein Deutscher) werde zwar weiter ermittelt, doch da es kein Geständnis gab und wohl Beweise fehlen, war die U-Haft nicht länger aufrecht zu erhalten. Somit dürfte auch das Brandmotiv im Fall Trockentalstraße – vermutet wurden Mietstreitigkeiten sowie ein Racheakt des Mieters am Vermieter – noch einmal hinterfragt werden dürfen.

Im Raum stand von Anfang an auch eine rassistische und rechtsradikal motivierte Tat, weswegen die Ermittlungen im Fall Trockentalstraße beim Landeskriminalamt Sachsen liegen. Sicher ist laut Staatsanwaltschaft: Es war Brandstiftung. Ob auch vorsätzlich in der Dürerstraße 8 Feuer gelegt wurde, ist noch unklar.

Gelöscht war der Brand am Montag gegen 16 Uhr. Einzelne Glutnester seien darüber hinaus noch zu bekämpfen, heißt es von der Pressestelle der Stadt Plauen. Die Brandermittler nehmen ihre Arbeit erst auf, wenn der Ort durch die Feuerwehr frei gegeben wurde.

„Unsere Feuerwehrleute und die Polizei haben einen bemerkenswerten Job erledigt. Rettungsleute, Feuerwehr und Polizei haben Hand in Hand gearbeitet. Jetzt reift der Einsatzplan für die Unterbringung der Bewohner“, so Plauens Oberbürgermeister Ralf Oberdorfer, der am, Montag mit Sozialarbeiter Jörg Brückner vor Ort war.

Von kurz nach 9 Uhr morgens waren 50 Kameraden der Plauener Berufsfeuerwehr und der freiwilligen Wehren Stadtmitte, Jößnitz, Großfriesen und Neundorf, Rettungskräfte sowie THW und Tierrettung im Dauereinsatz.

Als die Wehren eintrafen, schlugen schon die Flammen aus den Fenstern des Dachgeschosses. „Unsere Kameraden haben mehrere Leute aus dem Haus geholt“, sagt Kreisbrandmeister Gerd Pürzel.

Den Flammen zum Opfer fielen auch sechs Hunde, die sich im Haus befanden. Gelöscht wurde von Innen als auch Außen. Die zwei großen Drehleitern fuhren hoch bis übers Dach. Von dort ließen die Kameraden Fontänen von Löschwasser auf das Obergeschoss regnen. Damit habe man von außen das Dach gekühlt, so Pürzel.

Das Haus in der Dürerstraße 8 ist derzeit nicht bewohnbar. Die nun wohnungslos gewordenen Menschen wurden von der Stadt Plauen in Notunterkünfte in die Plauener Hammerstraße und in zwei Wohnungen in Netzschkau gebracht. Dieser Wohnraum reiche aus, um alle Bedürftigen in der kalten Jahreszeit mit Wohnraum zu versorgen, heißt es von der Stadt.

„Keiner muss unter komplizierten Bedingungen unterkommen. Es ist schön, dass Plauen auch unter ungünstigen Bedingungen zusammensteht. Unser Koordinierungsplan hilft damit schnell und unkompliziert“, sagt Plauens Sozialbürgermeister Steffen Zenner.

In die Spur gingen am Montag auch die beiden Roma-Hilfsvereine Roma Sumnal aus Leipzig und dem Dresdener RomaRespekt, einer Einrichtung der Heinrich-Böll-Stiftung. Angetroffen in Plauen habe man den Roma angehörenden sechs Erwachsene und 14 Kinder, die allesamt unter Schock stehen und dringend Sicherheit brauchen, um wieder einmal in Ruhe schlafen zu können, sagt Kathrin Krahl von „RomaRespekt“.

Auch Cathrin Schauer-Kelpin vom Plauener Verein Karo hat sich am Montag um die Betroffenen gekümmert. „Die Leute sind ganz schlimm traumatisiert“, sagt Schauer. Unter den Betroffenen sind teilweise Menschen, die schon vor Silvester aus dem brennenden Haus in der Trockentalstraße flüchten mussten.

Zur Betreuung dieser Menschen hat Karo zwei Psychologinnen organisiert. Betreut wird unter anderem auch eine der jungen Frauen und deren Kinder, die infolge des Brandes in der Trockentalstraße schwerste Brandverletzungen am Körper und im Gesicht davon trugen.

„Diese junge Frau, die zum Glück nicht in der Dürerstraße untergekommen ist, hat riesige Angst, nach Hause zu gehen. Alle haben Angst vor dem nächsten Brand“, so Cathrin Schauer-Kelpin.

http://vogtland-anzeiger.de/Vogtland_Anzeiger/cms-nachrichten/plauen/grossbrand-im-roma-viertel-die-bewohner-haben-angst-.html

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8. März

TAG DER ABSCHIEBUNG, TAG DER ANGST, TAG DES KNASTES

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Sie ist von sich selbst verschlungen
in Einsamkeit
wie ein leerer Raum.
Es begann zu regnen
die Kälte drang in ihre Haut.
Sie läuft achtlos
wie ein blutiger Delphin.
Die Erde ertrinkt
Sie spürt die Qual
und sieht ihren Sohn auf der anderen Seite.
Jemand hat ihm die Flügel abgeschnitten.
Er ist jetzt ein krimineller.

Ich schließe meine Augen und ich sehe ihn hinter den Mauern eingesperrt. Alles hängt ab von einem Papier dass mir die Erlaubnis gibt ihn zu besuchen und zu sprechen. Es sind Kilometer, Mauern und Gitter die uns trennen, aber ich denke, dass ein Teil auch von mir dort drinnen ist. Jedesmal wenn ich weiß dass ich dorthin gehe, bekomme ich Angst dass etwas passieren wird und sie mich nicht zu ihm lassen wollen. Sie haben über alles die Gewalt.

Du musst dich nach den Vorschriften verhalten, wenn du es nicht tust, wirst du bestraft. In dem Moment sobald du zur Anmeldestation kommst, werden als erstes dein Besucherschein und Pass kontrolliert und sie mustern dich. Nur weil du angeblich einen Verbrecher als Sohn oder Bruder hast!

Das Leben besteht aus warten und hoffen das wir uns wieder sehen und Kraft geben können. Wir halten unsere Tränen zurück, weil wir stark sein müssen. Unser Motto ist „Halt mal dich fest“. Wir alle sind im Knast. Manchmal kommunizieren wir durch Briefe oder selten durch Telefonate.