Tag 2 der Filmtrilogie Melanie Spitta und Katrin Seybold um 19.30 Uhr im WdK

Der Dokumentarfilm „Schimpft uns nicht Z*****r“ (1980) hat gestern tief beeindruckt und wirkt heute immer noch fort.

Der junge Sinto Gallier beschrieb die soziale Diskriminierung: keine Lehrstellen zu erhalten, im Schulsystem gezwungen zu werden alles wie „die Deutschen“ zu machen, Probleme beim ausgehen zu haben, da der Eintritt verwehrt bleibt, oder da man aus den Diskotheken rausgeworfen wird. Alles aus dem Grund, weil er als ein Fremder wahrgenommen wird. Hier wirft sich die Frage auf, wie kann ein Angehöriger der Sinti als Fremder in Deutschland wahrgenommen werden, obwohl Sinti hier schon über 600 Jahre leben?

Die junge Sintizza Linda stellte dar, dass sie oftmals in die Situation gebracht wird sich entscheiden zu müssen, was sie lieber sei, eine Deutsche oder Sinti? Wobei sich von ihrer Sicht die Frage niemals ergibt, da sie beides ist: eine deutsche Sinti.

Als besonders reflektiert und politisch stachen Linda und ihre Mutter, Kioskbesitzerin hervor. Lindas Mutter schilderte, dass meistens über Roma ein besonders negatives Image verbreitet wird, sie würden stehlen, keiner Arbeit nachgehen und nicht lesen und schreiben können.

Lindas Mutter kam mit sieben Jahren is Konzentrationslager und als sie elf Jahre alt war wieder in die erste Schulklasse. Niemand half ihr beim lernen, sie musste mit allem alleine fertig werden. Aufgrund ihrer schulischen Wissenslücke, kann sie ihrer Tochter Linda beim lernen nicht helfen. Ihr Mann ebenso nicht, da er auch im KZ war. Im Zusammenhang mit dem negativen Image über Roma fiel Lindas Mutter auf, dass nie über „die Deutschen“ und das Dritte Reich gesprochen. Was „die deutschen“ alles an Verbrechen verübten an Sinti und Roma und alle anderen. Sie quälten, folterten und mordeten aus Spaß. Was ist schon dagegen, wenn ein Rom eine Henne klaut, weil er hunger hat? Was soll er sonst tun, wenn ihr ihm keine Arbeit gibt?

Zum Schluss bleiben mehrere Fragen offen: Warum werden Minderheiten in der deutschen Gesellschaft das Recht auf die eigene Kultur und Geschichte genommen? Welche Ideologie verbirgt sich dahinter, dass Menschen gezwungen werden sich so anzupassen, dass sie sich und ihre eigene Kultur und Geschichte verleugnen müssen? Letztlich ist die Frage zu stellen: Wer ist alles von dieser Ideologie betroffen? Sind „nur“ Minderheiten, oder auch die Mehrheitsbevölkerung auf eine Art betroffen?

Heute Abend Freitag, den 23.02.18 um 19.30 Uhr in der Werkstatt der Kulturen, Berlin findet die zweite Filmvorführung und Diskussion statt: “Es ging Tag und Nacht, Liebes Kind: Z*****r (Sinti) in Auschwitz. Eintritt: Spende.

https://derparia.wordpress.com/2018/02/09/filmtrilogie-melanie-spitta-und-katrin-seybold-22-24-02-in-der-werkstatt-der-kulturen-berlin/