Stellungnahme zu der Erklärung zum Protestbrief Stop Bio Knoblauch Romanes von Bezirksstadträtin Franziska Giffey

Sehr geehrte Frau Giffey,

es war und ist immer noch wichtig zu betonen, dass dieses kolonial-rassistische Projekt keine Zukunftsperspektive für Roma bietet. Dahinter verbergen sich Zwangsarbeit in Form von Plantagenarbeit und eine Art Migrationsregulation und letztendlich handelt es sich um die Interessen der Mehrheitsgesellschaft(en). Beispielsweise geht es hier um die „Schaffung von Arbeitsplätzen für Roma in deren Heimat.“ (Landesrat Dr. Christian Buchmann, Graz) Dabei werden die unzumutbaren und lebensbedrohlichen Verhältnisse in den Herkunftsländern völlig außer Acht gelassen.
Die Bewegungsfreiheit für Roma in Europa einzuschränken, ist hier das tatsächliche Ziel. 
Es ist mehr als unrealistisch, dass Roma in Europa mit der Pflanzung, Verarbeitung und Vermarktung von Knoblauch ihre Existenzen sichern können.

„In Neukölln wird nicht das Projekt „Bio Knoblauch Romanes“ umgesetzt, sondern eine abgewandelte und weiterentwickelte Form“. (Franziska Giffey)

Auch wenn der Titel des Projektes in „Bio Knoblauch aus Neukölln“ geändert wurde, ändert es nichts an dem ursprünglichen Konzept. Es wird weiterhin von rassenanthropologischen Festschreibungen ausgegangen und eine koloniale Politik gefördert. „Im Konzept zum Projekt ist die Rede von Ausbildung, die der Roma-Bevölkerung „zuzumuten“ sei, auch in „geistiger Hinsicht“. Dieses Argument, Roma seien eine weniger intelligente „Rasse“ als weiße EuropäerInnen, begegnet uns in schöner Regelmäßigkeit seit der rassenanthropologischen Festschreibung des „Zigeuners“ in der Zwischenkriegszeit“, erklärt Stefan Benedik (Uni Graz). „Es ist nur eine völlig analoge Übersetzung der Behauptung, „Zigeuner“ seien erbbiologisch minderwertig (…).“ (derstandard.at) Die Einteilung von Roma in erbbiologisch Minderwertige und weisse EuropäerInnen in erbbiologisch Höherwertige folgt einer kolonialen Politik.

„Von der Aussaat bis zur Ernte haben sie einerseits Verantwortung für das Beet übernommen, und daneben, über Pflanzen- und Tierkunde, Umweltbildung, Vererbungslehre und die Verarbeitung von Naturmaterialien, wird das Erlernen der deutschen Sprache unterstützt.“ (Franziska Giffey)

Es ist unglaubwürdig, dass Jugendliche, während der Arbeit auf Plantagen die deutsche Sprache erlernen können. Viel wichtiger wäre es, ein Bildungssystem zu verwirklichen, in dem der Spracherwerb im Regelunterricht stattfindet.

„Dabei werden Fähigkeiten vermittelt und erlernt, die auch im späteren Berufsleben von Bedeutung sind.“ (Franziska Giffey)

Welche Fähigkeiten sind damit gemeint? Dieses Argument folgt einem vorgefertigten Bild, Roma-Kinder sollen später im Gemüseanbau arbeiten, hingegen Kinder der Mehrheitsgesellschaft können Ärzte, Anwälte etc. werden. Aber was ist, wenn Roma-Kinder das auch werden wollen?
Dann wäre der Knoblauchanbau keine relevante Berufserfahrung. Im Grunde genommen wird mit diesem Projekt eine Unterschichtung vorgenommen, das heißt, Roma wird ein bestimmtes Segment des Arbeitsmarktes zugeteilt. Sie werden der prekär bezahlten und perspektivlosen Landarbeit verpflichtet. Der Unterschichtenstatus wird an die nächsten Generationen weitergegeben, und an und für sich ist es so, dass die Möglichkeiten etwas an diesem Status zu verändern, sehr begrenzt sind, da es den Werdegang, das Streben nach Höherem etc. beeinflusst. Somit werden Roma von weiteren beruflichen Aufstiegschancen ausgeschlossen.

„Schülerinnen und Schüler ohne Deutschkenntnisse werden zunächst in (…) „Willkommensklassen“ (…) beschult.“ (Franziska Giffey)

Die Einteilung der Jugendlichen in „Willkommensklassen“ folgt einer Politik der „Rassentrennung“, einer Kontrollausübung über die „Rasse“ und einer von außen auferlegten Determination.
Nach Malcolm X wird diese Politik an Minderwertigen von Höhergestellten erzwungen.
„To him, segregation (…) means that which is forced upon inferiors by superiors. (…)“
Eine Klasse mit Kindern aus der Mehrheitsgesellschaft würde nicht als ausgegrenzte Klasse bezeichnet werden. Die Klassen entstehen auf „freiwilliger Basis“ und die Mehrheitsgesellschaft darf bestimmen (die Schulcurricula, die Lehrkräfte etc.), wohingegen bei den „Roma-Klassen“ eine gezwungene ethnische Trennung vollzogen wurde, die von außen reguliert wird.

Auch Kinder mit deutscher Muttersprache haben sehr häufig Sprachprobleme.
Das wird jedoch zumeist verschwiegen, und es wird weiterhin versucht, die Institutionen und den Regelbetrieb in takt zu lassen und die Gruppe mit den angeblichen Defiziten zu reformieren.
Wobei man immer über die gleichen Defizite redet, Sprachprobleme etc., und dadurch werden keine neuen Innovationen geschaffen. Deshalb wäre es vielmehr von Vorteil zu sagen, wir haben Diversität in der Gesellschaft, und es müsste geprüft werden, ob die Institutionen, Organisationen und Einrichtungen eigentlich dieser Diversität entsprechen. Das wäre viel wichtiger, als weiter Sonderklassen oder Sondermaßnahmen einzuführen, die am Ende ohnehin nichts bringen und dazu noch eine gewisse geldverschwenderische Wirkung haben, in dem Sinne, dass das Geld hier falsch ausgegeben wird.

„In diesen Klassen gibt es Jugendliche, deren Bildungs- und Entwicklungsstand den Erwerb eines Schulabschlusses im Rahmen der regulären Schulpflicht wenig wahrscheinlich erscheinen lassen. Hier gilt es, besonders frühzeitig unterschiedliche praktische Lernerfahrungen zu gestalten und praxisorientiertes Lernen zu ermöglichen.“ (…) „Das Praxislernen der Schülerinnen und Schüler aus den Willkommensklassen ist ein Bestandteil der Gesamtstrategie des Bezirks Neukölln zum Umgang mit der neuen Zuwanderungswelle aus Südosteuropa (…).“
(Franziska Giffey)

Die Auffassung, Roma-Jugendliche hätten einen Bildungs- und Entwicklungsstand, der den Erwerb eines Schulabschlusses im Rahmen der regulären Schulpflicht wenig wahrscheinlich erscheinen lassen, ist eine Diffamierung der Betroffenen. Die Frage müsste eigentlich lauten, was für einen Bildung- und Entwicklungsstand haben die anderen Kinder? Was ist das Generelle, das erfüllt werden soll?
Für gewöhnlich sind es nur Kinder aus bürgerlichen Verhältnissen, die das erfüllen können.
„Käme ein Verein auf die Idee, deutschen Jugendlichen ohne berufliche Zukunft den Anbau von Kartoffeln als Jobperspektive anzubieten, wäre die Empörung mit ziemlicher Sicherheit groß.
Der Kartoffel liebende Deutsche? Was für ein überholtes Klischee! Die gleiche Idee, nur mit Roma und Knoblauch umgesetzt, wird dagegen als „nachhaltiges ökosoziales Zukunftsprojekt für Roma in Europa“ bezeichnet.” (neues-deutschland.de)

„Im nächsten Jahr soll ein anderes Gemüse, das in vielen Ländern als gängiges Lebensmittel verwandt wird, gepflanzt werden.“ (Franziska Giffey)

Es fragt sich, welches Gemüse gepflanzt werden soll, wer das bestimmen wird, und für wen das von Nutzen ist. Fest steht, dass ein Projekt wie „Bio Knoblauch Romanes“ Klischees über Roma reproduziert, zum Beispiel die Affinität zum Knoblauch, Roma seien weniger intelligent, und alle Roma würden betteln gehen. Die Legitimation solcher Projekte liegt in der Reproduktion der Klischees.

„Mein Bedauern möchte ich darüber ausdrücken, dass die Autoren unter der Gruppe „Der Paria“ anonym bleiben und im bestehenden lokalen Kooperationsnetz „AG Roma“ von Neuköllner Vereinen, Trägern und Einzelpersonen oder direkt mit mir als zuständiger Dezernentin keine Auseinandersetzung zum Projekt angestrebt haben.“ (Franziska Giffey)

Der Paria tritt nicht anonym in der Öffentlichkeit auf. Der Kontakt zu mehreren Roma-Organisationen besteht u.a. mit Roma and Sinti Worldwide, Marika Schmiedt, Lynn Hutchinson Lee (Roma Community Centre, Toronto), Amaro Drom, Rroma Informations Centrum, Rroma Aether Klub Theater und IniRromnja. In der ersten Ausgabe unserer Zeitschrift (Januar 2013) erschien der Protestbrief „Stop Bio Knoblauch Romanes“. Die Publikation wurde an verschiedene Roma und Nicht-Roma-Organisationen verteilt und ist auf unserem Blog http://www.derparia.wordpress.com zugänglich.

Mit freundlichen Grüßen

Der Paria
Filiz Demirova, Georgel Caldararu

Erklärung von Franziska Giffey
Protestbrief 

Police Brutality in Romani Settlement Budulovská, Slovakia

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„According to media and NGO reports, in the afternoon of 19 June 2013, 63 police officers entered the settlement in Budulovská Street aiming to carry out an investigation into “increased criminal activity”. The police action reportedly resulted in injuries to over 30 individuals who – according to the media and the community activists – did not resist or obstruct the police.

Among the injured were reported to be young children. An NGO that runs a community centre in the settlement, ETP Slovakia, provided further information about damages to the properties of the settlement’s residents. The police allegedly failed to communicate or explain to the residents the purpose of the action. Amnesty International and the European Roma Rights Centre learned that they were entering individual houses, kicking out doors and breaking windows.

Under international human rights law and standards, the use of force by the police must be proportionate, lawful and necessary. The UN Basic Principles on the Use of Force and Firearms specify that police may use force or firearms only where unavoidable and proportionate to a legitimate objective.“ (…)

„Amnesty International and the European Roma Rights Centre are also concerned about the announcement that the police aim to continue carrying out similar interventions, “especially in areas with a reported rise in criminality”. The areas quoted by the media as possible targets for future interventions are known for their Romani settlements.“

„After the end of official activities at 5.30 pm, an informal celebration continued.
The event and the follow-up celebration took place approximately 1,5 km from the town’s residential area.
In the evening hours, a police patrol of the Municipal Police arrived at the place and did not identify any problems and promised support in case it would be needed. In the late night hours (around 11 pm), members of Slovak state Police Force arrived and requested the music volume to be turned down.
Their request was complied with. This patrol returned to the site once more, in early morning hours, when the celebration had finished and the organizers were disassembling the equipment.
One of the police force members attacked juvenile Leonard H., verbally referring to allegedly “unsettled matters from the past”.

A skirmish ensued between the settlement inhabitants and the police force members, which included throwing rocks at the police vehicle resulting in a broken window. Two persons (juvenile Leonard H. and handicapped Ernest R.) were arrested and taken to the police station in Košice, where they were held until Wednesday 19 June 2013. On the same Wednesday afternoon, around 5 pm, members of the Police Force arrived in the settlement Budulovská with approximately 20 vehicles (cca. 50 masked police force members). Without any announcement or communication with the inhabitants, they began searching the houses. The inhabitants of the settlement put up no resistance during the intervention.

During the intervention, more than 30 persons were injured,including a few weeks old infant, who fell unconscious and had to be treated by medical emergency unit and hospitalized (the exact source of child’s injuries is unknown). Several inhabitants had to seek medical attention and marks of being hit by police batons are visible even in small children. Moreover, the intervention caused significant damage to housing and property of the inhabitants (broken doors and windows, furniture, vehicle damage).
Around 15 people were arrested and taken to the police station in Moldava nad Bodvou, where the members of the Police Force made further physical assaults against them.
Subsequently, the people were released.“
http://www.etp.sk/en/tlacove-vyhlasenie-etp-slovensko-k-policajnemu-zasahu-v-osade-budulovska-v-moldave-nad-bodvou/

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Fax campaign against the censorship of Roma

Among the many reasons of concern about the political, economic and social crisis affecting the European Union’s civil society today, there is one that in our view has reached a critical level. We are very concerned about the re-establishment and re-legitimization of far-right parties in Eastern and Central Europe.
We are also very concerned about the involvement of the far-right parties in present dynamics of society, about the participation of the far-right parties and fractions in the official decision-making processes of the political scene, along with the presence of the radical right-wing extremists within daily life under the protection of the authorities.

In the last years, there were many attacks and mobs against Roma people all over Europe; just to recall some of them, the mobs and pogroms against Roma in Bulgaria, the Czech Republic and Hungary from 2011 until today. Despite of the international critics and counter demonstrations, the far-right parties and fractions are still legal and their presence within public spaces is much stronger now than it was before. The legislation of the E.U. is not prepared to face this situation and unfortunately there is no interest from the side of political representatives to fight this volatile situation. Slowly but surely, the European Union turns into a ‘Europe of Nations’ in which minorities are neither respected nor protected.

There are declarations that officially dehumanize minorities: Zolt Bayer, a Hungarian official and a friend of Viktor Orban, declared at the beginning of this year: “Gypsies are animals”. The public opinion has a passive position that legitimates and empowers the far-right. Because of the lack of critics, the structure of the neo-nationalist parties and fractions has become stable and effective. Their strengthened mobs are now much more prepared and – with the support of media platforms that control and filter the information – less visible.

The far-right extremists are not just acting within the borders of their countries. The opening of the exhibition, “Thoughts are free – Anxiety is Reality for Roma in EUrope” by Marika Schmiedt, at the construction fence in Linz, Austria, on the 14th of April, 2013, triggered hatred and violence by an officially-certified tour guide from Austria Guides, Beate Hofstadler, and her Austrian husband.
Before the opening, a collage was torn down and the artist was threatened, repeatedly insulted and her phone was torn out of her hands. After two days and three hours, the whole exhibition had vanished.
The police had removed the artworks because a journalist had pressed charges and because of an evaluation by the Federal Office for the Protection of the Constitution, which claimed: “these are racist images”. The name of the journalist is not specified in the statement of the police published in the newspaper Der Standard. We ask ourselves why? Based on this procedure, one of the most committed Roma artists in Europe was attacked and censured.

We consider this attack to be a brutal violation of the freedom of speech. The accusations made against an artist and activist in order to intimidate her, along with all the potential critics of the far-right in Hungary, represent a very dangerous form of political censorship.

Marika Schmiedt’s artworks are a direct critique of the situation that Roma people in Hungary are facing day by day. The decision made by the city of Linz to cancel the exhibition is illegal. Any kind of accusation of racism made against an artist who criticizes racism and discrimination is a contradiction in terms and cannot be sustained by laws. When an institution forbids the right to criticize nationalism and discrimination, then this institution affirms and protects the values of nationalism and supports discrimination.

We ask for immediate reparation and reconsideration of Marika Schmiedt as an artist and activist.

We ask for an immediate and official apology to Marika Schmiedt made by Beate Hofstadler, the city of Linz and the Federal Office for the Protection of the Constitution in Austria.

We ask for immediate condemnation of the hate speech against Roma people in Hungary and all over the European Union.

We ask for immediate guarantee of the equal rights and protection of Roma people in Hungary and all over the European Union.

We ask for immediate and permanent condemnation of the far-right parties and fractions that promote racist ideologies and hierarchical ethnicization of civil society.

The far-right represents a danger for all the people and for the stability and freedom of civil society as a whole. There is one way to fight racism and xenophobia: to forbid them by law.

We ask civil society to stand up against the alarming rise of neo-nationalism in public life.

With kind regards,

Der Paria
Georgel Caldararu, Filiz Demirova
With many thanks to Jasmina Tumbas for translation support!

If you want to be active and support our campaign,
please send a fax to the following addresses

Council of Europe
Avenue de l`Europe / Strasbourg Cedex / 67075  France
Fax: + 33 (0) 3 88 41 27 99 / E-Mail: private.office@coe.int

Stadt Linz
Hauptstraße 1-5; 4041 Linz
Fax: + 43 732 7070 54 2110 / info@mag.linz.at

European Court of Human Rights; Council of Europe
Strasbourg Cedex; 67075 France
Fax + 33 (0) 3 88 41 27 30

Bundeskanzleramt Wien:
Ballhausplatz 2; 1014 Wien
Fax: +43 1 531 15 42 74 / europa@bka.gv.at

 

AUFRUF ZUR INTERNATIONALEN SOLIDARITÄT MIT ROMA / CALL FOR INTERNATIONAL SOLIDARITY WITH ROMA

(English version below)

Eine Vernissage am Baustellzaun “Die Gedanken sind frei – Angst ist Alltag für Roma in EUropa” von Marika Schmiedt in Linz, Österreich, am 14.04.2013 löste Hass und Gewalt bei einer staatlich geprüften Stadtführerin der Austria Guides (Beate Hofstadler) und ihrem österreichischen Ehemann aus.
Im Vorfeld der Eröffnung ist eine Collage heruntergerissen worden und die Künstlerin wurde bedroht, mehrmals beschimpft und ihr Telefon wurde ihr entrissen. Nach zwei Tagen und drei Stunden existierte die Ausstellung nicht mehr. Sie wurde von der Polizei entfernt, aufgrund einer Anzeige der ungarischen Fremdenführerin und der Beurteilung des Verfassungsschutzes “es handle sich um rassistische Bilder”. Aufgrund dieses Vorgehens wurde eine der engagiertesten Roma KünstlerInnen in Europa attackiert und zensiert.

Die Ausstellung “dokumentiert die Verhältnisse und soll als Spiegel der verbreiteten aber durchschnittlich nicht wahrgenommenen Rassismen dienen. Obwohl die gegenwärtige Verfolgung eine soziale und politische Situation hervorruft, die an die Zeit des Nationalsozialismus erinnert, hat sich die Mehrheit zum Schweigen entschlossen. Meine Arbeit versucht, das Schweigen zu durchbrechen und den Rassismus zu enthüllen und gleichzeitig der fortschreitenden Diskriminierung entgegenzuwirken.” (Marika Schmiedt)

Offenbar fühlten sich die Stadtführerin und ihr Ehemann angegriffen und werfen Marika vor, dass ihre “Kunst”-Installation verleumderische, rassistische und faschistische Anprangerei des ungarischen Volkes” seien.

“Das Gefühl angegriffen zu werden, wenn Schwarze Personen oder People of Color über Rassismus sprechen, ist ein Teil der Verleugnung, die das Individuum vor Schuld schützt. Das heißt die Lähmung, Schuld oder Scham die solche entsetzlichen Wahrheiten hervorrufen sind so massiv, dass das Individuum es verleugnet und auf andere projiziert. Verleugnung enthält einen Mechanismus, der Objekte oder Gedanken zweiteilt: was gut, schön und positiv ist, wird als das Eigene verstanden; was als schlecht, hässlich und negativ empfunden wird, wird auf andere projiziert. Dieser Mechanismus erlaubt, dass das weiße Subjekt ein positives und makelloses Bild von sich selbst behält während das Schwarze Subjekt als Projektionsfläche für das Entsetzliche dient. So wird die Person, die Rassismus erlebt zum Aggressor gemacht, und der Aggressor zum Opfer.” (Grada Kilomba)

Die ungarischen NationalistInnen konnten die Dokumentation und die Kritik des in Ungarn ausgelebten Hasses gegen Roma, des Antisemitismus und der Homophobie nicht ertragen.
Die Umkehrung vom Täter zum Opfer/ Opfer zum Täter ist Teil eines weissen Abwehrmechanismus und ein Instrument widerständige Positionen zum Schweigen zu bringen.

Die ungarische Fremdenführerin steht unter dem Schutz der Rechtsordnung und der Künstlerin wurde das Recht auf künstlerische und Meinungsfreiheit genommen. Die Verfolgung, Pogrome und der Terror gegen Roma in Ungarn werden weiterhin ignoriert und die Widerstandspositionen von Roma AktivistInnen/KünstlerInnen ent_erwähnt.

Abgesehen davon, dass der antiromaistisch motivierte Angriff keine Konsequenzen für Beate Hofstadler hat, wird der Künstlerin mit weiteren Repressionen gedroht. Fotos von den Collagen wurden an das Büro des ungarischen Ministerpräsidenten geschickt, sowie in eine Rechtsanwaltskanzlei in Wien und es wurde in der Stadt Linz eine Beschwerde eingebracht. Anwältin Dr Eva Maria Barki, Unterstützerin von der Fidesz und Jobbik Partei und selbsternannte Verteidigerin der ungarischen Nation, vertritt Frau Hofstadler bei dem Verfahren. Marika Schmiedt wird nicht als Künstlerin und Aktivistin anerkannt.
Die Stadtführerin nimmt sich sogar das Recht heraus für Roma zu sprechen und kommentierte, dass die “primitiven” Darstellungen auch für das “Roma-Volk” beleidigend und erniedrigend wären.
Die “Anmassung – fuer Roma zu sprechen und gleichzeitig eine Romni zu “schulen” und ihre Kunst als “primitiv” zu bezeichnen – ist ein perfektes Exemplar der vom Rassismus geprägten VorHERRschaft.” (Jasmina Tumbas)

Die Intervention sollte zur Förderung von politischer Bildung und Zivilcourage dienen.
Anhand dieses Vorfalls und den Reaktionen stellt sich zum einen heraus welcher Gefahr Roma ausgesetzt sind und zum anderen wie notwendig diese Art von Interventionen sind. Am 30.04.2013 wurde die Polizei von einer der OrganisatorInnen (Olivia Schütz, Vorstand Stadtwerkstatt) zu einer Stellungnahme aufgefordert. Sie wurden aufgefordert Stellung zu dem unglaublichen Verfahrensvorgang zu nehmen, in dem weder die Künstlerin noch die Veranstalter informiert wurden.
Des Weiteren haben die OrganisatorInnen die Entfernung der Collagen zur Anzeige gebracht.

Wir sind enttäuscht, dass diese Attacke und der Angriff auf die Kunst und Meinungsfreiheit bei der Allgemeinheit auf so wenig Aufmerksamkeit und Interesse stößt. Wie kommt es, dass bereits von zwei rassistischen Internetseiten (unzensuriert.at, kuruc.info) Statements gegen die Künstlerin veröffentlicht wurden, in dem sie wegen Verhetzung des ungarischen Volkes angeprangert wird und nicht ein einziger Artikel erschien, z.B. von einer linken Tageszeitung, in dem über den skandalösen Vorfall berichtet wird? Es kann nicht sein, dass während Roma in Ungarn ermordet und verfolgt werden, Roma die dagegen etwas unternehmen und kritische Stimmen haben, zensiert und bestraft werden. Wir fragen uns wo die Solidarität bleibt, wenn Roma attackiert werden und ihnen das Recht auf Widerstand genommen werden soll? Wir denken, dass es alle Menschen etwas angeht, denn: “Radicals and Nazis are still protected in Austria, as in many other countries. People who educate tries to silence. Offenders present themselves as victims, and the victims are made into criminals. With government support.” (Teona Czamáry) (Übersetzung von Natalie Wagner) “Radikale und Nazis werden in Österreich immer noch beschützt, wie in vielen anderen Ländern auch. Menschen die bilden werden zum Schweigen gebracht.
TäterInnen präsentieren sich als Opfer, und die Opfer werden zu Kriminellen gemacht.
Mit Unterstützung der Regierung.”
(Teona Czamáry)

Am 04.05.2013 publizierte kuruc.info, die meist besuchte und zentrale Plattform ungarischer Rechtsextremer, einen Artikel über den Vorfall in Linz. “Die Seite verbreitet extrem aggressive antisemitische, antiromaistische (A.v.d.R.), chauvisnistische und homophobe Inhalte und organisiert periodisch regelrechte Hetzjagden auf Personen, bevorzugt unter der Rubrik “Sammelplatz für genetischen Müll”, manchmal mit furchtbaren Folgen.” (Keno Verseck) Rechtsextreme sind jetzt aufmerksam auf Marika Schmiedt und ihre Arbeit geworden.

Der Paria ruft zur internationalen Solidarität mit Roma auf!
Beteiligt euch an unserer geplanten Faxkampagne!

Der Paria
Filiz Demirova, Georgel Caldararu.

Call for international solidarity with Roma

The opening of the exhibition, “Thoughts are free – Anxiety is Reality for Roma in EUrope” by Marika Schmiedt at the construction fence in Linz, Austria, on the 14th of April, 2013, triggered hatred and violence of an officially-certified tour guide from Austria Guides (Beate Hofstadler) and her Austrian husband. Before the opening, a collage was ripped off and the artist was threatened, repeatedly insulted and her phone was torn out of her hands. After two days and three hours, the whole exhibition vanished. The police had removed it because the Hungarian tour guide had pressed charges and because of the evaluation by the Federal Office for the Protection of the Constitution, which claimed “these are racist images”. Based on this procedure, one of the most committed Roma artists in Europe was attacked and censured.

The exhibition “documents the circumstances and should serve as a mirror of the widely spread but commonly ignored racisms. Even though the current persecution creates social and political situations reminiscent of the times of National Socialism, the majority has decided to stay silent. My work tries to break that silence, expose racism, and simultaneously counteract the continuing discrimination.” (Marika Schmiedt)

Apparently the tour guide and her husband felt attacked and accused Marika and “her ‘art’-installation [of being] a defamatory, racist and fascist denunciation of the Hungarian people.”

“The feeling of being attacked when Black people and People of Color talk about racism is part of the denial which protects the individual from guilt. This means that the paralysis, guilt or shame caused by such horrible truths is so massive that the individual denies it and projects it onto others.
Denial includes a mechanism which splits objects or thoughts in two parts: That which is good, beautiful and positive is understood as the own; that which is perceived as bad, ugly and negative is being projected onto others. This mechanism allows for the white subject to keep a positive and flawless image of oneself while the Black subject serves as a projection screen for the horrible. This way the person who experiences racism is made the aggressor and the aggressor is made the victim.”
(Grada Kilomba)

The Hungarian nationalists couldn’t bear the documentation and the critique of the hate against Roma, the anti-Semitism and the homophobia openly acted out in Hungary. The inversion from aggressor to victim victim to aggressor is part of a white defense mechanism and an instrument to silence resisting positions.

The Hungarian tour guide is under protection of state law and the artist was deprived of her right to freedom of opinion and art. The persecution, pogroms and terror against Roma in Hungary are still being ignored and the resisting positions of Roma activists/artists are being un_mentioned.

Apart from the fact that the attack -motivated by anti-Romaism- has no consequences for Beate Hofstadler, the artist is being threatened with further repressions. Photos of the collages have been sent to the office of the Hungarian prime minister as well as to a law office in Vienna and a complaint was filed in the city of Linz. The lawyer Dr. Eva Maria Barki, supporter of the Fidesz and the Jobbik party and self-proclaimed defender of the Hungarian nation, represents Ms. Hofstadler during the proceeding.
Marika Schmiedt is not being recognized as an artist and activist. The tour guide even claims the right to speak for Roma and commented that the “primitive” images are also offensive and degrading for the “Roma people”. Hofstadler’s “insolence – to speak on behalf of Roma and simultaneously “school” a Romni, in addition to declaring her art to be “primitive” – is a perfect example of racially motivated supremacy.” (Jasmina Tumbas)

The intervention was supposed to promote political education and civil courage. On the one hand, this incident and the reactions expose the dangers Roma have to face; on the other hand, it also shows how necessary these kinds of interventions are. On the 30th of April 2013, the police was asked by the organizer (Olivia Schütz, Executive Management Stadtwerkstatt) to make a statement about their preposterous procedure, as neither the artist nor the organizers were informed of the removal of the artworks. Moreover, the organizers have also pressed charges.

We are disappointed that this attack and assault on the freedom of art and opinion has received such little attention and interest in the general public. Why is it that two racist web pages (unzensuriert.at, kuruc.info) already published statements against the artist, accusing her of denouncing the Hungarian people, and not even one article has been published about this scandalous incident in a leftist newspaper, for example? It is unacceptable that while Roma are being murdered and persecuted in Hungary, Roma who are active against this and who have critical voices are censored and punished. We ask ourselves: where is the solidarity when Roma are attacked and deprived of their right to resistance?
We think that this concerns everybody, because: “Radicals and Nazis are still protected in Austria, as in many other countries. People who educate try to silence. Offenders present themselves as victims, and the victims are made into criminals. With government support.” (Teona Czamáry)

On the 4th of May 2013, kuruc.info, the most visited and central platform of Hungarian right-wing extremists, published an article about the incident in Linz. “The page spreads extreme aggressive anti-Semitic, anti-Romaistic (E.N.), chauvinistic and homophobic contents and organizes periodically downright hunts of people, preferably in the category “collecting point of genetic trash“, sometimes with terrible consequences.“ (Keno Verseck) Right-wing extremists’ attention is now drawn to Marika Schmiedt and her work.

Der Paria calls for international solidarity with Roma!
Take part in our planned fax campaign!

Der Paria,
Filiz Demirova, Georgel Caldararu
Translation by Jasmina Tumbas, Natalie Wagner