Tag 3 der Filmtrilogie Melanie Spitta und Katrin Seybold

Die gestrige Filmvorführung „Es ging Tag und Nacht, Liebes Kind“ schüttelte einen wach. Die Worte von Melanie Spitta (Erzählerin) kreisen noch im Kopf.

Die Dokumentation erstreckt sich in folgende drei Teile:
1. Es ging Tag und Nacht
2. Für uns ist die Vergangenheit nicht Tod
3. Für unsere Kinder

Im ersten Teil (Es ging Tag und Nacht) interviewt Melanie Spitta eine Tante, die das Konzentrationslager Auschwitz- Birkenau überlebte und in Ravensbrück sterilisiert wurde. Für Melanie Spitta war es wichtig die Perspektive einer Überlebenden Romni präsent zu haben, da sie leider nicht bei der Begehung im Herbst 1981 dabei sein konnte. Aufgrund gesundheitlicher Probleme (Spätfolgen des KZ), nahm sie nicht teil, als sie das erste Mal nach 40 Jahren in Begleitung der Kamera das „Zigeunerlager“ aufsuchten.

Melanie Spitta fragte die Tante wie die SS schaffte soviele Sinti zu sammeln und zu transportieren, ob sie sich dies gefallen ließen? Sie konnten nicht erahnen was ihnen bevor stand, zunächst vermuteten sie eine Neuansiedlung. Kurz bevor die SS sie abholte, fragte eine deutsche Frau, ob sie zum Schutz ihr kleines Kind zu sich nehmen solle. Aber sie wollte ihr erstes Baby nicht hergeben. Dazu sagte die Frau, dass ihnen noch schreckliches bevorstehen werde, das heisst, dass sie von der Existenz der Todeslager wusste.

Im Lager angekommen sah sie wie Kinder mit vergifteter Milch umgebracht, andere vergast wurden und wie voll es dort war. Ihr eigenes Kind starb als es ein Jahr alt war. Auf einem großen Transporter stapelte man alle Leichen aufeinander. Hierunter befand sich auch ihr Kind, das sie herunter zog um es in ihren Armen zu halten. Sie wollte es begraben, aber ihre Mutter kam herbei und warnte sie vor den Schlägen und Bestrafungen der SS.

Die Nummer Z- 449 tätowierte man ihr auf den Unterarm. Wie Schweine wurden sie gestempelt und danach geschlachtet. Ihre Namen wurden ihnen genommen und man rief sie nur noch nach dieser Nummer auf. Sie mussten stramm stehen und wurden häufig so stark geschlagen, dass sie an den Verletzungen starben.

Als sie in der Nachtwache arbeitete, hörte sie nachts immer das jämmerliche Geschrei in den Baracken: „Mein Vater ist Tod“, oder „Mein Kind ist Tod“. Des Weiteren immer wieder die Schreie aus den Krematorien: „Ich bin noch jung, ich will noch arbeiten“. Es war eine Menschenjagd, ein Scheiterhaufen, die Öfen waren verstopft… „Es ging Tag und Nacht, Liebes Kind“.

Im zweiten Teil (Für uns ist die Vergangenheit nicht Tod) erzählte ein Überlebender Sinto, dass die Rasseforscher_innen die deutschen Sinti mit ihren Familien im Lager zusammen ließen, weil sie starkes Interesse an dem Zusammenhalt und der Familien- Struktur der Sinti hatten. Sie wollten hierzu Untersuchungen machen und testeten die emotionalen Reaktionen von Sinti, wenn unmittelbar vor ihnen ihre Familienmitglieder qualvoll wegstarben und sie nichts dagegen unternehmen konnten.

Hingegen die polnischen oder jugoslawischen Roma wurden sofort von den Kindern getrennt und vergast. Die Rassenforscher_innen hatten auch einen Sinto beim Lager der männlichen Juden isoliert. Das Lager der männlichen Juden grenzte am „Zigeunerlager und er konnte seine Familie dort sehen. Dann verabredete er sich jeden Tag mit seinem kleinem Sohn zur bestimmten Zeit am Zaum. Eines Tages war Blocksperre, aber der Vater stand schon am Zaum und der Junge lief schon loß. Der Überlebende Sinto sagte noch zu dem Jungen: „Bleib hier, es ist Blocksperre“ , aber er lief zum Zaum und sein Vater schmiss ihm ein kleines Stück Brot zu. Dann kam plötzlich der SS- Mann Palic (Menschenschinder Palic) und schoss dem Jungen in den Kopf.

Im Anschluss der Filmvorführung sagte eine Frau aus dem Publikum, dass sie sich wundert warum so wenig Publikum bei so einem wichtigen Film erschien. Eine mögliche Antwort dazu könnte sein, dass die meisten Menschen lieber zu Musik- und Tanzveranstaltungen gehen, als sich mit solch einer Thematik zu befassen. Daraufhin äußerte jemand, dass wir uns vielleicht im diesem Moment in einer schlimmen Zeit befinden. Beziehungsweise dass höchstwahrscheinlich noch harte Zeiten auf uns zukommen werden. Beispielsweise die allgemeine Situation der geflüchteten Menschen. Wieviele Menschen sterben täglich um das Mittelmeer zu überqueren und vor Kriegen zu fliehen? Trotzdem geht das Leben für die meisten weiter. Sie gucken Fußball, gehen auf Partys und betrinken sich, als ob nichts wäre. Wie war das doch noch gleich zur Zeit des Nationalsozialismus? Ging es dort nicht auch weiter mit dem Vergnügungen, obwohl sich die Todeslager teilweise vor ihren Haustüren befanden?

Heute Abend Sa, 24.02. um 19.30 Uhr in der Werkstatt der Kulturen die letzte Filmvorführung und Diskussion „Das Falsche Wort: Wiedergutmachung an Z*****r (Sinti) in Deutschland?“ der Filmtrilogie Melanie Spitta und Katrin Seybold.

https://derparia.wordpress.com/2018/02/09/filmtrilogie-melanie-spitta-und-katrin-seybold-22-24-02-in-der-werkstatt-der-kulturen-berlin/

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