It was written

„Die Zigeunerfrage kann nur dann als gelöst angesehen werden, wenn das Gros der asozialen und Nichtsnutzen Zigeuner-Mischlinge in großen Wanderarbeitslagern gesammelt und zur Arbeit angehalten, und wenn die weitere Fortpflanzung dieser Mischlingspopulation endgültig unterbunden wird. Nur dann werden die kommenden Geschlechter des deutschen Volkes von dieser Last wirklich befreit sein. Die Rassenhygienische Forschungsstelle ist schon heute in der Lage, sich über den Mischlingsgrad und den Erbwert jedes einzelnen Zigeuners sachverständig zu äußern, so daß der Inangriffnahme rassenhygienische Maßnahmen nichts mehr im Wege steht…“ (Ritter 1940 in: Müller- Hill 1988: 60-61).

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Rassenhygienischen und Bevölkerungsbiologischen Instituts, Adolf Würth, nahm in einem Interview Ende, der 1980er Jahre mit Benno Müller- Hill, Stellung zur „Lösung der Zigeunerfrage“. Darin sagte er, dass er und Robert Ritter nicht Mitglieder in der NSDAP waren und deshalb „immer als Tarnung“ besonders nationalsozialistisch klingende Sätze in ihre Arbeiten schrieben. Außerdem wäre seiner Ansicht nach der Satz zur „nötigen Losung der Zigeunerfrage“ nicht so ernst zu nehmen und lachte dabei. Daraufhin erwiderte Benno Müller-Hill dass Robert Ritter „explizit Sterilisierung und Lager für die Mehrheit der Zigeuner“ forderte. Adolf Würth hielt dagegen, dass Robert Ritter dies „aber nur innerhalb einer Gesetzes“ forderte und dass „in einem Gesetz ja alles Rechtens“ sei. Zusätzlich stieß er die damaligen Vorwürfe ihm und Sophie Erhardt gegenüber zurück sie „hätten damit die Ermordung der Zigeuner gemeint“. Er verteidigte sich und ihre Vergangenheit damit, dass sie die Untersuchungen nur machten, um einen „Beitrag zur Anthropologie einer in Deutschland lebenden Minderheit, der Zigeuner, zu leisten“ (Müller-Hill 1988: 153).

„Bei Antiziganismus geht es in erster Linie nicht um Menschen, sondern um eine Ideologie und eine Denkfigur ähnlich dem Antisemitismus (natürlich wirkt der sich aber auf real existierende Menschen aus). Antiziganismus betrifft nicht nur Sinti und Roma sondern funktioniert ähnlich wie der Antisemitismus auch ohne real existierende Jüdinnen und Juden auch ohne real existierende Sinti und Roma. So sind etwa Jenische, als auch Zuwanderer aus Bulgarien und Rumänien, die nicht der Minderheit angehören von Antiziganismus betroffen. Die Zuschreibung und die Denkfigur eines “Zigeuners” trifft nicht nur Sinti und Roma. Antiromaismus oder Rassismus gegen Roma verstehe ich innerhalb des Antiziganismus, da er sich auf real existierende Angehörige der Minderheit bezieht“ (Reuss 2017).

Gibt es für Antiziganismus Expert_innen überhaupt Roma? Oder sind Roma für die Antiziganist_innen nur eine Fantasievorstellung? Demnach sind Roma keine real existierenden Menschen. Der Logik entsprechend sind auch die toten Roma und Juden in den Konzentrationslagern nur eine Art Konstruktion. Eine weiße Theorie, die sich nicht auf Menschen, sondern auf die Projektion was „die Mehrheitsgesellschaft im Kopf hat“ (End 2013) bezieht, schafft herrliche Aussichten für Nazis. Auf die Frage „wem nützt so eine Forschung und Veröffentlichung“ wird behauptet, dass die Veröffentlichung die Kämpfe von Roma unterstützt und ein wichtiger Beitrag ist, der gemacht werden muss um das Problem zu bekämpfen (End 2013). Hier stellt sich die Frage was genau das Problem ist und was bekämpft wird?

„The truth is crying out and it´s so loud and so clear. But most people won´t even hear.“ (Damian Marley)

Quellen:

Marley, Damian (2001): Halfway Tree.

Müller-Hill, Benno (1988): Tödliche Wissenschaft. Die Aussonderung von Juden, Zigeunern und Geisteskranken 1933-1945. Rowohlt, Hamburg.

Reuss, Anja in einem Mailverteiler September 2017.