Protest Inobhutnahme Familien Görlitzer Park, Cuvry-Brache

WIR PROTESTIEREN GEGEN DIE DROHENDE „INOBHUTNAHME“ DER KINDER DER FAMILIEN AUS DEM GÖRLITZER PARK UND VON DER EHEMALS BESETZTEN CUVRY-BRACHE!

Am Dienstag, den 16.9.14 kamen Mitarbeiter*innen des Jugendamtes und des Gesundheitsamtes Friedrichshain – Kreuzberg zu den Familien im Görlitzer Park und auf die Cuvry- Brache. Sie boten ihnen zunächst „Hilfe” an. Als die Familien ihnen daraufhin, wie erbeten, ihre Pässe gezeigt hatten, erklärten Mitarbeiter*innen des Jugendamtes, sie würden ihre Kinder in Obhut nehmen. In dem den Familien dabei ausgehändigten Schreiben heißt es:

„Wir werden in wenigen Tagen wiederkommen. Sollten Sie dann immer noch mit ihren Kindern im Park leben und übernachten, werden wir Ihre Kinder in Obhut nehmen, das heißt, sie werden von Ihnen getrennt und in einer Unterkunft, in der sie genügend zu essen und zu trinken und einen trockenen Schlafplatz haben, untergebracht. (…) Die weiteren Entscheidungen treffen dann die zuständigen Jugendämter und Familiengerichte.” (…) „Wir wissen, dass Sie für sich und Ihre Kinder dringend eine Wohnung brauchen. Aber wir können keine Wohnung für Sie beschaffen.”

Dass sowohl im Görlitzer Park als auf der Cuvry – Brache Familien lebten und leben ist seit langem bekannt. Die Bezirksbürgermeisterin Monika Hermann sagte gegenüber der TAZ, dass der Bezirk seit Jahren Sozialarbeiter*innen und Familienhelfer schicke, es jedoch am Engagement der Eltern mangele. Das stimmt so nicht: Die Eltern äußern seit langem, dass sie Unterstützung brauchen. Die zuständige Beratungsstelle ist jedoch mit ihren Kapazitäten völlig ausgeschöpft und überfordert, sodass die Familien die notwendige Unterstützung nicht bekamen. Das trifft auch für die Familien zu, die jetzt durch die Räumung der Cuvry – Brache vollends obdachlos gemacht wurden.

WIR VERURTEILEN DAS REPRESSIVE VORGEHEN DER BEHÖRDEN UND FORDERN:

  • DIE ZUSICHERUNG, DASS DIE KINDER BEI IHREN FAMILIEN BLEIBEN KÖNNEN UND DIE SOFORTIGE RÜCKNAHME DER ANDROHUNG EINER „INOBHUTNAHME“
  • DIE FAMILIEN IN IHREM SINNE ZU UNTERSTÜTZEN
  • UNTERKÜNFTE UND LÄNGERFRISTIG EINE REALE PERSPEKTIVE AUF SELBSTBESTIMMTES WOHNEN FÜR DIE FAMILIEN

Die Familien im Görlitzer Park und die Unterstützungsgruppe

Im Anhang finden Sie ausführliche Informationen zu der drohenden „Inobhutnahme” samt dem Brief des Jugendamtes. Ein Interview mit Betroffenen findet sich hier: http://www.taz.de/Bezirk-droht-obdachlosen-Familien/!146375/ 

WENN SIE DIESEN AUFRUF UNTERZEICHNEN MÖCHTEN, SCHREIBEN SIE BITTE EINE EMAIL AN: case-pentru-toti@riseup.net

Brief_des_Jugendamts_16-09-2014
Offener Brief Protest gegen Inobhutnahme

UPDATE! September 27, 2014

Yesterday the police appeared again in in the görlitzer park, with more than 10 people, and confiscated all the tents of the families that are still there. The ‘brache’ next to markgrafendamm (ostkreuz) was evicted as well.

The jugendamt didn’t withdraw its threats to take the children away if the families would stay in the park. Lots of people left already, to duisburg, to romania … some families are still there, but without any real possibility to leave the park. if you have any idea for a safe space for them, contact: case-pentru-toti@riseup.net or a free room, where some people could stay some time?

The remaining 3 families said, even a place where they can put their cars and tents without access of police/ ordnungsamt/ jugendamt would be ok for the beginning … or any good idea where to ask?
http://asylstrikeberlin.wordpress.com/2014/09/27/support-roma-families-in-gorli-and-cuvry/

Polizei muss alle sechs Tatverdächtigen ziehen lassen

“Nach dem Brand auf der Kreuzberger Cuvry-Brache riegelt die Polizei das Gelände weiterhin mit mehr als 100 Beamten ab. Zuvor hatten die Ermittler alle sechs festgenommenen Tatverdächtigen wieder entlassen. Sie waren wegen des Verdachts der Brandstiftung festgenommen worden. Am Montag sollen die Bagger anrollen, was aus den bisherigen Bewohnern wird, ist unklar.”
http://www.rbb-online.de/panorama/beitrag/2014/09/Feuer-cuvry-brache-zerstoert-huetten.html

Schäm` dich, Deutschland! Celestine Hassenfratz über den Brand auf der Cuvry-Brache:
“Der Winter steht vor der Tür und die Bewohner der Cuvry-Brache auf der Straße. Dass der Brand auf der Brache dem Eigentümer gerade recht kam, da sich das Thema Räumung so quasi von selbst erledigt, mögen nur böse Zungen behaupten. Aber wundert es wirklich jemanden, dass es bei diesen Lebensumständen zu Konflikten unter den Bewohnern kommt?” http://www.neues-deutschland.de/m/artikel/946539.schaem-dich-deutschland.html

Medienbericht über rassistische Stimmung gegen Roma in Halle (Saale)

von Hendrik Kraft

Ein Bericht der “Jungen Welt” widmet sich den rassistischen Motiven der jüngst formierten “Bürgerwehr gegen Roma” im Bezirk Silberhöhe in Halle (Saale). Auf die Ankündigung erster Patrouillen der “Bürgerwehr” habe ein Bündnis namens “Halle gegen Rechts” am Mittwoch 200 Demonstrant_innen mobilisieren können (siehe auch mdr und mz). Wegen der rassistischen Attacken gegen eine Romni und ihr Kind werde von der Polizei ermittelt. In dem Bericht der Jungen Welt heißt es, die “örtlichen Behörden sind mit den Zuständen offenbar überfordert”.
Die “Bürgerwehr” habe noch weitere wöchentliche “Rundgänge” angekündigt, zudem “tauchten immer mehr Schmierereien mit rassistischen und NS-verherrlichenden Inhalten in dem Viertel auf”.

Rassistische Attacken gegen Roma in Halle (Saale)

von Hendrik Kraft

In Halle an der Saale wurde eine Romni und ihr zweijähriges Kind von mehreren Kindern und Jugendlichen rassistisch beschimpft, bespuckt und mit Schlägen attackiert, wie mdr und Halle Spektrum gestern berichteten. Der Vorfall wird auf Facebook reihenweise rassistisch kommentiert, was einen exemplarischen Eindruck der herrschenden Stimmung gegen Roma vermittelt.

Einen Tag vor der gestrigen Attacke hatte der mdr gemeldet, die Anwohner_innen von Halle-Silberhöhe planten die Bildung einer “Bürgerwehr gegen Sinti und Roma“. Das lässt aufhorchen.
Denn es sind “Bürgerwehren”, die z.B. in Ungarn mit Gewaltaktionen gegen Roma in Erscheinung treten. Und zur Erinnerung: den Rostocker Pogromen 1992 ging die Gründung einer Lichtenhagener Bürgerwehr voraus, deren Zweck es war “aufzuräumen”.

Während die Ereignisse in Halle eine konkrete rassistische Bedrohungslage belegen, spricht der mdr fortwährend verharmlosend von einem “Konflikt zwischen Anwohnern und Zuwanderern” und beschreibt in den beiden verlinkten Beiträgen ausschließlich die Sicht der “Anwohner”.