Podiumsdiskussion: Roma Strategy = Deportation Free?

ARTBRUT

Marika Schmiedt, Filiz Demirova und Georgel Caldararu von Roma Kombinat diskutieren über die europaweite Diskriminierung von Roma und die Roma-Industrie.
Moderation: Tina Leisch

26/09/13 Depot Wien
Roma Kombinat: https://www.facebook.com/pages/ROMA-Kombinat/356374477827373?ref=hl

https://derparia.wordpress.com/

Dokumentation: Bernadette Stummer

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Paris school pupils protest at Roma girl’s expulsion


High school students blocked the entrance to numerous schools in Paris and several other French cities on Thursday in protest at the deportation of foreign pupils, sparked by the expulsion of a 15 year old Roma girl earlier this month. Leonarda Dibrani was detained by police during a school trip on October 9th and deported to Kosovo along with her parents and five siblings.

About 50 schools in the French capital and the rest of the country were disrupted by second day of student protests sparked by the deportation of foreign pupils. At least 23 schools in the Paris region were taking part in the protest on Friday, with many classes empty and the entrances to some schools blocked.
Some of the protesters have also called for the resignation of Manuel Valls, the controversial interior minister who has defended the expulsion and sparked anger last month by saying Roma migrants could not integrate into French society. Mr Valls insisted that the deportation of Leonarda and the rest of her family had been carried out in line with established procedure.

Leonarda Dibrani was apparently not at home when police arrived at the family home to expel her mother and her six children. Her father had already been expelled from a detention centre on October 8.
The deportation of illegal Roma immigrants is part of a government crackdown – instituted by the previous centre-right administration of Nicolas Sarkozy – which has included the dismantling of Roma camps across France. Opinion polls show that most French people (93%) agree that the Roma do not integrate well in France and are broadly supportive (77%) of the government’s policies. Amnesty International recently reported that more than 10,000 Roma had been evicted from temporary camps in France in the first half of the year.

According to the French news site Mediapart, the teenager was on a school trip when one of her teachers received a phone call from a local official asking her to stop the bus. The teacher initially refused and was then connected to a border police officer whose “language was stronger and more direct. He told me that we had no choice, we had to stop the bus where we were because he wanted to get one of our students in an irregular situation,” a teacher, identified as Ms. Giacoma, told Mediapart. According to Giacoma, she managed to negotiate an agreement to stop the bus in the parking lot of another high school since the bus at that point was on a busy ring road. “I asked Leonarda to say goodbye to her friends and then I got off the bus with her,” said Giacoma. “We went inside the high school, out of sight, and I explained the situation. She cried a lot. I took her in my arms to comfort her and explained that she was going through difficult times, it would take a lot of courage…[then] a police car arrived, two uniformed police officers came out. I told them this was a totally inhumane way to proceed with the arrest of a young girl during her school activities and they could have done it differently.” The police have said they were carrying out orders after the family’s application for political asylum was turned down on grounds of “insufficient prospect of social and economic integration“ in France. According to the girl’s teachers and friends, Leonarda was a good student who arrived in France from her native Kosovo at an early age.
France was the only country she knew and the girl is a native French speaker. In a statement published on the Mediapart site earlier this week, the teachers of Leonarda’s school expressed their “shock” over “the methods used to return children from the Roma minority to countries they do not know, where they do not speak the language.”

Leonarda Dibrani told French radio she was being denied education in Kosovo. She said she wanted to return to France to finish school. Speaking by phone to France Inter radio, Leonarda Dibrani said she and her family were isolated in Mitrovica because they were Roma. “I felt awful abandoning my friends, the school, everyone,” she recalled. “I felt ashamed too because the police were there and my friends were asking what I had done, if I had stolen something.”

www.france24.com
www.aljazeera.com
www.mobile.france24.com
www.bbc.uk.com

Hetze gegen Marika Schmiedt – widerständige Roma-Positionen werden kriminalisiert

Die Arbeiten der Künstlerin Marika Schmiedt thematisieren die Situation für Roma in Europa und benennen die Kontinuitäten seit der NS-Zeit; dabei weist sie u.a. auf die bedrohlichen Zustände in Ungarn hin.

Die ungarische Botschaft in Österreich und rechtsextreme ungarische und österreichische Portale führen eine Hetzkampagne gegen die Wiederholung ihrer Ausstellung „Die Gedanken sind frei“ – Angst ist Alltag für Roma in EUropa im Linzer Rathaus. Das Schreiben des ungarischen Botschafters beruft sich auf die juristische „Experten“-meinung einer Kooperationspartnerin von Jobbik. Der Künstlerin wird der Tatbestand der Volksverhetzung, „Ungarn-feindlichkeit“ und Rassismus vorgeworfen.

Dadurch wird eine kritische Roma-Positionierung zensiert, die Arbeit von Marika Schmiedt skandalisiert und es findet eine Umkehrung statt, in der Roma als rassistisch dargestellt werden.
Mit dieser Kriminalisierung einer widerständigen Roma-Perspektive werden alle Roma kriminalisiert, die sich gegen die unhaltbaren Zustände zur Wehr setzen.

Tatsache ist, dass Roma das Recht haben Widerstand gegen die Kontinuitäten seit der NS-Zeit zu leisten,
welche unsere Leben in Gefahr bringen und uns eine menschenwürdige Daseinsberechtigung absprechen.

In Ungarn müssen sich Roma täglich gegen rassistische Angriffe wehren.
Die verbotene Ungarische Garde organisiert seit Jahren Anti-Roma-Aufmärsche.
Im August 2012 forderte Jobbik auf einer Demonstration in Devecser die Todesstrafe für Roma.
Der Anführer der Betyársereg sprach von Rassenkrieg und ethnischen Säuberungen.
Die Kriminalität sei der „Zigeunerrasse genetisch eincodiert“.
Die Redner wurden wegen Hetze gegen eine Minderheit angezeigt, aber die ungarische Polizei stellte die Ermittlungen ein, weil die Hetze keinen Strafbestand erfüllte.

Die Einführung des Rassismusparagraphen dient nicht dem Schutz der Roma.
Im November 2009 organisierte Jobbik in Sajóbábony eine Kundgebung, an der über 600 Mitglieder der Ungarischen Garde teilnahmen. Im Zeitraum von 2008-2009 gab es eine Serie von Morden an Roma.
Die Bedrohung und die Schutzlosigkeit stiegen enorm an und mehrere Roma aus Sajóbábony haben bewaffneten Widerstand geleistet. Im Oktober 2013 wurden neun von ihnen wegen Rassismus an den Magyaren zu mehrjährigen Gefängnisstrafen verurteilt.

Am 04. Oktober 2013 hat ein Roma-Netzwerk einen Flashmob mit dem Namen
„Die Polizei soll den Nazis nicht assistieren!“ mit 30 Personen vor dem Innenministerium organisiert.
Die Menschen protestierten mit Transparenten auf denen „Wir dienen und schützen“ durchgestrichen
und stattdessen „Wir selektieren und schützen“ zu lesen war. Die Polizei nahm die Personalien des Roma-Aktivisten Jenő Setét auf und erstattete Anzeige, weil der Flashmob angeblich nicht angemeldet und genehmigt gewesen sei.

Im Februar 2012 hat die ehemalige Europaparlaments-Abgeordnete Victoria Mohácsi aus Angst um ihr Leben Ungarn verlassen und politisches Asyl in Kanada beantragt. Es ist sehr schwierig für die Roma-Aktivistin Asyl zu bekommen und nicht abgeschoben zu werden. Ihrer Arbeit ist es zu verdanken, dass die ungarische Polizei bei der Aufklärung der Mordserie an Roma nicht weiter die Beweismaterialien manipulieren konnte, und dass überhaupt nach den Mördern gefahndet wurde.
Als sie 2009 in Tatárszentgyörgy an einen der Tatorte kam, weigerten sich die Polizeibeamten, die abgefeuerten Patronen als Beweismittel anzuerkennen und zu sichern. Sie erklärten die Explosion infolge eines Elektrizitätsbrandes zur Ursache der Ereignisse. Das Haus einer Roma-Familie wurde attackiert, in Brand gesetzt und als der 27-jährige Róbert Csorba mit seinem fünf-jährigen Sohn Robi im Arm aus dem Haus floh, wurden die beiden erschossen. Robis sechs Jahre alte Schwester Bianca wurde von mehreren Kugeln getroffen und überlebte schwer verletzt.

Viele Roma flüchten aufgrund von Morddrohungen nach Kanada. In Kanada sind Roma nicht willkommen und werden als „betrügerische Flüchtende“ bezeichnet. Als im Juni das Gesetz C-31 verabschiedet wurde verschlimmerte sich die Lage, da für asylsuchende Menschen (auch Kinder) seitdem die Regierungsbefugnis auf Inhaftierung gilt. Im Dezember 2012 befanden sich mehr als 210 Erwachsene Roma und 40 Kinder in Inhaftierungsanlagen der Stadt Toronto in Gewahrsam.
Die Abschiebeknäste sind von Maschendrahtzäunen und Stacheldraht umringt und die Fenster sind vergittert.

Die Kriminalisierung der Kunst von Marika Schmiedt durch offizielle ungarische Vertreter_innen ist gefährlich und muss im Zusammenhang mit der zunehmenden Verfolgung von Roma in Europa gesehen werden. Die Diskreditierung von widerständigen Roma-Positionen kann als Bestätigung für bisherige und Rechtfertigung für weitere repressive Gewalt gegen Roma dienen. Umso besorgniserregender ist im Falle der aktuellen Bekämpfung der Kunst von Marika Schmiedt die reibungslose Zusammenarbeit extrem rechter politischer Kräfte mit staatlichen ungarischen Institutionen. Es ist sicherlich kein Zufall, dass diese Akteur_innen hier eine Kunst bekämpfen, die auf Kontinuitäten aus der NS-Zeit aufmerksam macht.

Der Paria hält die Solidarisierung mit Marika Schmiedt für unerlässlich, weil mit ihr die gesamte Roma-Freiheitsbewegung kriminalisiert wird. Besonders empört sind wir über die Komplizenschaft des Obmanns österreichischer Roma Rudolf Sarközi mit den ungarischen Nationalisten. Siehe hier unseren Offenen Brief an Sarközi.

Das Wegsehen, Ignorieren und Schweigen gegenüber den Kontinuitäten aus der NS-Zeit mit Blick auf Roma und weitere unterdrückte Gruppen ist eine Zustimmung zu den aktuellen Verhältnissen.
Menschen, die Dinge aufzeigen, hinterfragen, dekonstruieren und sich für die Befreiung von Roma und unterdrückten Gruppen einsetzen, werden zur Bedrohung stilisiert.

Der Paria
Filiz Demirova, Georgel Caldararu

UPDATE: Hitler und die “Halbmond-Türkensalami” made in Austria- regierungsnahes HírTV über “magyarenfeindliche” Linzer Ausstellung
UPDATE: Ausstellung Die Gedanken sind frei: Eine Zusammenfassung der Ereignisse von Olivia Schütz
UPDATE: Ausstellung die Gedanken sind frei – dorf.tv Redaktion

Offener Brief an Rudolf Sarközi

Sehr geehrter Herr Sarközi,

hiermit möchten wir Sie über unsere Empörung bezüglich Ihrer Positionierung gegen die Kunst von Marika Schmiedt in Kenntnis setzen. Wir sind aufgebracht, dass Sie sich gegen Werke, die auf die gegenwärtige Verfolgung und Unterdrückung von Roma in Europa aufmerksam machen, positionieren und damit die Hetzkampagne und die Kriminalisierung von Widerstand legitimieren.
Ihren eigenen Angaben nach empfinden Sie die Kunst von Marika Schmiedt als gegen die Roma-Minderheit gerichtet und finden die Äußerungen der ungarischen Nationalisten gerechtfertigt und begründet: “Ja, das stimmt. Ich kritisiere diese Ausstellung und habe das dem (ungarischen) Botschafter auch so gesagt”. Was Sie noch nicht erwähnt haben ist, warum Sie diese Meinung teilen.

Als Vertreter der Roma-Organisationen aus Österreich, zu dem Sie sich selbst ernannt haben, müssten Sie wissen, dass viele Menschen von Ihren öffentlichen Äußerungen betroffen sind. Das heißt, Sie sprechen nicht nur für sich und Ihre eigene Familie, sondern für alle Roma aus Österreich und, in diesem Fall, auch für alle Roma aus Ungarn. Haben Sie sich über die Situation der Roma in Ungarn tatsächlich informieren lassen?

Durch Ihre Haltung gehen Sie eine Komplizenschaft mit den ungarischen Nationalisten ein, die Roma angreifen, und Sie lassen zu, dass Positionen von Roma zensiert und ihre Arbeit skandalisiert wird. Marika Schmiedt kritisiert gemeinsam mit unserer Initiative Der Paria, dass Sie das rassistische Projekt „Bio-Knoblauch Romanes“ mitinitiiert haben. Dem Anschein nach haben Sie mehr Interesse an der Umsetzung eines Projekts, das Roma zur Arbeit auf Plantagen zwingt, ihnen das Recht auf Selbstbestimmung verwehrt und keine Kritiken darüber zulässt, als an selbstbestimmten Kunst- und Aktionsformen wie von Marika Schmiedt.

Auf dieser Grundlage treten Sie auf derselben Seite wie die ungarischen Nationalisten auf und ent-solidarisieren sich ein weiteres Mal von Marika Schmiedt. Unserer Meinung nach verursacht Ihre Roma-Vertretung sehr großen Schaden und verschlimmert die Situation. Des Weiteren gibt es bis jetzt von Ihnen keine öffentlichen Statements bezüglich der bedrohlichen Situation für Roma in Ungarn.
Als Zsolt Bayer Anfang 2013 öffentlich sagte, ‘Diese Zigeuner sind Tiere und benehmen sich wie Tiere’, waren damit alle Roma gemeint, das heißt, dass Sie auch davon betroffen waren. Deswegen ist es für uns unverständlich, wenn Sie solche öffentlichen Beleidigungen komplett ignorieren, aber die Kunst von Marika Schmiedt verurteilen, ohne Ihre Kritik zu begründen. Als die Neo-Nazis in den ungarischen Dörfern Hassmobs gegen Roma organisiert haben, wie in Gyöngyöspata 2011 der Fall war, wurden Sie als Roma-Vertreter ebenfalls nicht aktiv. Warum beziehen Sie gegen kritische Roma-Positionierungen Stellung und nicht gegen ungarische Nationalisten, wenn diese antiromaistische Deklarationen veröffentlichen und Aktionen leiten?

Wir sind der Meinung, dass Sie nicht das Interesse der Roma-Minderheit vertreten, sondern Ihre eigenen Interessen. Deshalb erkennen wir Sie nicht als Roma-Vertreter an und werden alle Roma-Organisationen, europa- und weltweit, über Ihre Position informieren.

Mit besten Grüßen
Der Paria
Georgel Caldararu, Filiz Demirova